Neue ZfTI-Studie: Menschen mit Einwanderungsgeschichte in NRW häufiger erwerbstätig als Menschen ohne Einwanderungsgeschichte

28.09.2026 - In Nordrhein-Westfalen sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte häufiger erwerbstätig als Menschen ohne Einwanderungsgeschichte. Das zeigt eine aktuelle Studie des ZfTI auf Grundlage von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).


Die Erwerbsquote von Menschen mit Einwanderungsgeschichte liegt bei 61 Prozent, unter Angehörigen der Nachfolgegeneration sogar bei 69 Prozent. Menschen ohne Einwanderungsgeschichte erreichen hingegen eine Erwerbsquote von 56 Prozent. Maßgeblich für diesen Unterschied ist die Altersstruktur: Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind im Durchschnitt deutlich jünger, während der Anteil von Rentnerinnen und Rentnern in der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte mehr als doppelt so hoch ist.

Begriffserklärung: Ohne/Mit MH = Ohne/Mit Migrationshintergrund 

ArbMig u. Nk: Arbeitsmigrant*innen und Nachkommen


Besonders deutlich wird die langfristige gesellschaftliche Bedeutung von Zuwanderung in der Nachfolgegeneration: Mit der höchsten Erwerbsquote aller betrachteten Gruppen zeigt sie, wie sich Teilhabe, Bildung und Arbeitsmarktintegration langfristig auszahlen.


Auch bei der Qualität der Beschäftigung liefert die Studie von Martina Sauer einen bemerkenswerten Befund: Deutsche mit Einwanderungsgeschichte arbeiten genauso häufig auf Spezialist*innen- und Expert*innenniveau wie Menschen ohne Einwanderungsgeschichte. Die Ergebnisse verdeutlichen: Integration eröffnet den Zugang zu qualifizierter Beschäftigung, gleichzeitig bleiben erhebliche Qualifikationspotenziale ungenutzt, insbesondere wenn im Ausland erworbene Abschlüsse nicht angemessen anerkannt und eingesetzt werden.


Besonderes Potenzial sieht die Studie bei Geflüchteten der letzten Dekade. Ihre Erwerbsbeteiligung liegt mit 44 Prozent noch deutlich unter der anderer Bevölkerungsgruppen. Die Untersuchung zeigt, welche Faktoren erfolgreiche Integration fördern: gute Deutschkenntnisse, die Anerkennung vorhandener Qualifikationen und verlässliche Aufenthaltsperspektiven. Die vergleichsweise niedrige Erwerbsbeteiligung von Geflüchteten verweist daher nicht auf fehlende Potenziale, sondern unterstreicht vielmehr die Bedeutung wirksamer Integrationsbedingungen.


Vor diesem Hintergrund betont der hauptamtliche Vorstand des ZfTI, Dirk Halm: „Was wir brauchen, ist eine Politik, die Weltoffenheit verteidigt und statt Abschottung mutig die Chancen einer offenen Gesellschaft und von Einwanderung und Vielfalt nutzt.“


Zur Studie

Die Studie „Die Lebenssituation von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Nordrhein-Westfalen“ von Martina Sauer basiert auf der 40. Welle des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) (Daten des Jahres 2023) und untersucht zentrale Aspekte der Integration und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Nordrhein-Westfalen.


Pressekontakt

Dirk Halm

Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI)

Altendorfer Str. 3a, 45127 Essen

Tel.: +49 201 3198-302 | halm@zfti.de | www.zfti.de



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